Radfahren in Rostock ist ermüdend

Früher, ja da war man jung, unbeschwerter und fuhr einfach so mit dem Rad. Einfach so. Täglich zur Schule und wieder zurück. Dabei hatte man keine Ahnung vom Stadtverkehr und der StVO. Bei Rot halten, klar. Zeichen 237, 240, 241 waren mir da eher fremd und es hat sich auch niemand darüber beschwert. Auch mir war es egal. Mit einem alten Diamant Herrenrad ging Geschwindigkeitstechnisch nicht so viel, da konnte man auch auf dem Gehweg fahren.

Mit der Zeit veränderten sich die Routen, die Geschwindigkeit, das Wissen - und damit unweigerlich das Gefühl. Denn sich vorschriftsmäßig im Stadtverkehr zu bewegen bedeutet in Rostock (wie auch in vielen anderen Städten in Deutschland) dicht überholt zu werden, angehupt, beschimpft, abgedrängt zu werden. Wer einmal richtig schön dicht von einem Gelenkbus überholt wurde, kennt dieses Gefühl vielleicht. Oder wem im Laufe der Jahre dutzende Male die Vorfahrt genommen wurde. Die StVO fordert ständige Vorsichtnahme und gegenseitige Rücksicht. Gegenseitig, nicht einseitig. Wenn ich selbst mit Berufsbuskraftfahrern darüber diskutieren muss, ob ich auf der Straße fahren darf oder nicht, läuft hier irgendwas nicht richtig.

Jeder Radfahrer entlastet die städtische Infrastruktur. Jeder Pendler der vom Kfz aufs Rad umsteigt, macht den Feierabendstau für die Autofahrer um eine Kfz-Länge kürzer. Warum werden wir dann so behandelt, als wenn wir den Kfz-Verkehr ausbremsen? Das Gegenteil ist der Fall.

Selbst als passionierter Biker hatte ich in den letzten Wochen häufig keine Lust aufs Rad. Damit meine ich natürlich nicht das Rad an sich sonder die ganzen beschriebenen Verhältnisse darum herum. Da kann man die Gehweg Radler, die nicht auf der Straße fahren wollen, verstehen. Genau wie diejenigen die gleich im schützenden Kfz sitzen bleiben.

Da hilft also nur eins: konsequent dran bleiben, Aufklären wo nötig, Falschparker abschleppen, Anzeigen erstatten, Initiative zeigen.


Author: dude

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